Erhaltung

Probleme, Schutz und Pflege
Die auf der Perchtoldsdorfer Heide auftretenden Probleme sind vielfältig und nur durch das Verständnis und die Rücksichtnahme der Besucher zu lösen. Jeder einzelne trägt Verantwortung für den seltenen und wertvollen Lebensraum und seine vielen besonderen Bewohner! Im Folgenden werden die wichtigsten Gefährdungen beschrieben und Lösungswege aufgezeigt.

Verbuschung und Verbrachung

Die offene Heide mit ihren besonderen Tieren und Pflanzen ist durch menschliche Nutzung aus Wald entstanden. Sie ist eine Kulturlandschaft und benötigt Bewirtschaftung und Pflege. Zunehmende Verbrachung, Verbuschung und Verwaldung durch die Aufgabe der Weidenutzung nach dem 2. Weltkrieg stellten vor einigen Jahren noch die größte Gefahr für die Heide dar. Durch viele Pflegeeinsätze seit dem Jahr 2000 und jährliche Beweidung seit 2004 konnte dieser Entwicklung Einhalt geboten werden. In Zusammenarbeit von Gemeinde, Freunden der Perchtoldsdorfer Heide, zahlreichen freiwilligen HelferInnen und SchülerInnen werden jedes Jahr Sträucher und junge Bäume aus dem Trockenrasen entfernt. Diese Arbeit nennt man Schwenden Ein Teil des Schnittguts wird zur Errichtung von wichtigen Strukturen wie Asthaufen und Dornenbarrieren verwendet. Außerdem erfolgt eine Beweidung mit Schafen, die den Trockenrasen kurz und offen sowie das erneute Aufkommen von Gehölzen in Grenzen halten. Der Kot der Schafe bewirkt im Gegensatz zum Hundekot keine Überdüngung der Heide, da die Schafe weniger Nährstoffe wieder einbringen, als sie vorher auf der Heide aufgenommen haben.

Die Beweidung können Sie mit dem Kauf der BIO-Lammprodukte unterstützen.
Helfen Sie doch auch einmal bei der jährlichen Heidepflegewoche mit! Wir freuen uns über Ihre Teilnahme!

Zerstörung durch Mountainbiker

Illegales Mountainbiken zerstört den Trockenrasen © EisenbachErosion der Pflanzendecke © Drozdowski

Die Gefährdung durch die intensive Erholungsnutzung hatte in den vergangenen Jahrzehnten besonders bis 2004 stark zugenommen. Kreuz und quer über die Heide konnte man immer mehr kahle Pfade sehen. Oft befanden sich auf einer Breite von wenigen Metern 4 bis 5 Wege nebeneinander. Diese entstanden durch viele Mountainbiker, die trotz Fahrverbots (!) immer häufiger den Trockenrasen befuhren und die Pflanzendecke aufrissen.

Die Spuren sind jedoch nicht nur äußerst hässlich sondern bewirken in steileren Bereichen der Heide starke Erosion. Es entstehen regelrechte Rinnen, die sowohl für viele Pflanzen als auch Tiere als Lebensraum uninteressant sind, weil sie bei Regen ausgespült werden und bei Trockenheit der Boden durch Betritt stark zusammen gepresst wird. Natürlich sind offene Stellen in einem Trockenrasen erwünscht. Sie sollen jedoch in einem Mosaik von Vegetation kleinflächig verbreitet und durch Betritt möglichst wenig gestört sein. Diese Bedingungen sind bei den intensiv genutzten Wegen nicht gegeben. Für jene Tier- und Pflanzenarten, die nur in geringer Zahl vorkommen, bedeutet die Möglichkeit überfahren oder ausgerissen zu werden, eine zusätzliche und reale Gefahr.

Durch umfangreiche Aufklärungsarbeit aber auch durch strenge Kontrolle und Bestrafung ist dieses Problem zur Zeit weitgehend gelöst und viele Parallelwege sind wieder zugewachsen. Wir bitten alle Radfahrer, das Fahrverbot auf der Heide zu befolgen und nur die freigegebene Straße zu benutzen! Auch die Nutzung von Segways, Elektrofahrrädern, Skateboards u.ä. abseits der Straße ist verboten!

Überdüngung durch Hundekot

Hund gräbt im Zieselloch © DrozdowskiHundekoteintrag von einem Monat, jedes Fähnchen ein Haufen im Jahr 2006 © Drozdowski

Aus der Gärtnerei und Landwirtschaft hören wir immer wieder, dass Pflanzen viele Nährstoffe brauchen, um gesund zu wachsen. Dies trifft jedoch im Fall der Trockenrasenpflanzen nicht zu. Sie haben sich an ein niedriges Nährstoffangebot angepasst, indem sie es effizienter nützen, eher kleinwüchsig bleiben und nur sehr langsam wachsen. So benötigt ein Horst der Erd-Segge mehrere Jahre, um einen Durchmesser von 10 cm zu erreichen. Größere Mengen an Nährstoffen bringen den Trockenrasenpflanzen keinen Vorteil, da sie das erhöhte Angebot nicht nützen können. Ein Überschuss an Nährstoffen ist sogar eine große Gefahr für einen Trockenrasen. Häufige Pflanzen wie zum Beispiel Brennessel, Gewöhnlicher Beifuß und Glatthafer können die Nährstoffe besser verwerten und überwuchern den Trockenrasen. Damit verschwinden die seltene Heidevegetation und die an sie angepassten Tiere. An den lange Zeit besonders stark betroffenen Wegrändern kann man auch ohne botanische Vorkenntnisse sehen, dass sich der Pflanzenbewuchs dort deutlich vom Trockenrasen unterscheidet.

Auch für die wichtige Beweidung ist der Hundekot ein Problem. Schafe und Kühe fressen kein stark mit Kot verunreinigtes Gras bzw. können im Kot enthaltene Parasiten eine ernst zu nehmende Gefahr für die Weidetiere darstellen. In den letzten Jahren konnte auf Grund zahlreicher Mistkübel und Gassisackspender sowie intensiver Aufklärung der Eintrag von Hundekot in vielen Bereichen deutlich reduziert werden. Wir bedanken uns bei allen, die den Hundekot ordnungsgemäß im Mistkübel entsorgen und ersuchen alle anderen Hundebesitzer diesem vorbildlichen Verhalten zu folgen! Auch die zahlreichen Heidebesucher ohne Hund werden es Ihnen danken!

Betroffen von diesen Problemen ist natürlich nicht nur die Perchtoldsdorfer Heide. Auch andere wertvolle Trockenrasengebiete wie der Eichkogel (Mödling, NÖ) und zahlreiche Gebiete in Wien wie Wiener Berg, Laaer Berg, Maurer Wald, Lobau, Schafberg, Bisamberg und Prater sind durch den hohen Nährstoffeintrag durch Hundekot gefährdet.

Stress für Wildtiere

Männliche Smaragdeidechse © Drozdowski

Missachtung der Leinenpflicht

Seit 2005 gilt auf der gesamten Heide — also auf der Kleinen Heide, der Großen Heide sowie auf den 17-Föhren und im Saugraben Leinenpflicht für Hunde. Freilaufende Hunde bedeuten für viele Wildtiere wie Ziesel, Schlingnatter, Smaragdeidechse, Feldhase und Wachtel großen Stress. Auch wenn der Hund sie nicht aktiv jagt, flüchten diese Tiere, wenn sich der Hund nähert. So können sie weniger Zeit für Nahrungsaufnahme, Paarung oder Aufzucht der Jungtiere verwenden, der Stress belastet sie und ihre Fitness sinkt. Dadurch vermehren sich die Tiere weniger oder nicht mehr, was bei kleinen Vorkommen (wie auf der Heide) sogar zum Aussterben führen kann. Für Ziesel, Schlingnatter und Smaragdeidechse besteht diese Gefahr. Bitte helfen Sie als Hundebesitzer und Tierliebhaber mit, diese besonderen Lebewesen zu erhalten! Für weitere Informationen können Sie den Heideleitfaden für Frauerl und Herrl der Marktgemeinde Perchtoldsdorf mit vielen Tipps für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Heide herunterladen.

Auch für die Beweidung ist die Einhaltung der Leinenpflicht wichtig! Schafe haben instinktiv Angst vor Hunden, wenn diese zu nahe kommen. Der Stress ist vor allem für die trächtigen Tiere eine große Belastung und bedeutet für den Schäfer einen wirtschaftlichen Verlust. Besonders gefährdet sind auch die zahlreichen Lämmer. Würden Sie als Tierfreund diese Angst und Gefahr Ihrem Haustier zumuten?

Ferngesteuerte Drone

Drohnen und Modellflugzeuge

Drohnen und Modellflugzeuge bedeuten für Wildtiere wie Ziesel oder Smaragdeidechse, die ständig auf der Hut vor Räubern aus der Luft sein müssen, nachweislich großen Stress. Dadurch bleibt weniger Zeit für Nahrungserwerb, Sonnenbad oder Versorgung der Jungtiere. So werden ganz besonders kleine Bestände (wie auf der Heide) weiter geschwächt. Bitte fliegen Sie nicht mit Drohnen und Modellflugzeugen auf der Heide, im Besonderen keinesfalls in Bodennähe!

Blumenpflücken, Kräutersammeln oder Ausgraben

Konfiszierte Pflanzen © Drozdowski

Die Pflanzen auf der Perchtoldsdorfer Heide sind streng geschützt! Blumenpflücken, Kräutersammeln, das Ausgraben von Pflanzen oder das Sammeln jeglicher Pflanzenteile sind daher verboten, denn das gefährdet die ohnehin schon seltenen und oft vom Verschwinden bedrohten Trockenrasenarten. Außerdem wurzeln Trockenrasenpflanzen wie Adonis und Kuhschelle weit in die Tiefe - durch Ausgraben zerstört man die Wurzeln, ein Anwachsen im Garten gelingt nicht! Viele schöne Trockenrasenpflanzen sind auch als Nachzuchten für wenige Euro im Handel erhältlich. Sparen Sie nicht am falschen Fleck! Weiters sind viele Insektenarten von ganz bestimmten Pflanzenarten abhängig. Werden die Pflanzen abgesammelt, sterben diese Tiere aus. Das Sammeln geschützter Arten wird von der Berg- und Naturwacht Mödling bzw. von Feldschutzorganen der Marktgemeinde Perchtoldsdorf kontrolliert und zur Anzeige gebracht!

Verantwortung für die heimische Artenvielfalt!

Durch den Menschen ist das Artensterben heute weltweit 1.000 mal größer, als es von Natur aus wäre. Ungefähr 3 Arten verschwinden pro Stunde, das sind pro Tag circa 72. Ein Grund liegt in der schnell fortschreitenden Lebensraumzerstörung. Deshalb sind auch kleinere Naturräume für die Arterhaltung sehr wichtig. Um unser Naturreservat Perchtoldsdorfer Heide für die Zukunft zu erhalten, ist ihre Mithilfe nötig!

Halten Sie bitte diese Regeln ein

  • Hunde an die Leine
  • Hundekot Ihres Hundes aufsammeln
  • Mountainbiken nur auf der dafür freigegebenen Straße
  • Ziesel und andere Tiere bitte nicht füttern
  • Keine Kräuter oder Pflanzenteile sammeln, Blumen pflücken oder Tiere fangen
  • Kein offenes Feuer
  • Müll und Zigarettenstummel bitte in den Mistkübeln entsorgen
Blick auf den Perchtoldsdorfer Wehrturm von der Heide

Diese Regeln werden laufend von der Berg- und Naturwacht Mödling, von Feldschutzorganen der Marktgemeinde Perchtoldsdorf und auch von der Polizei kontrolliert. Diese wollen bei Übertretungen in erster Linie aufklärend wirken. Bei wiederholter Missachtung der Vorschriften sind die Organe jedoch gezwungen Anzeige zu erstatten. Zum Zwecke der Feststellung der Identität dürfen Personen auch angehalten werden!