Forschung

Ökologische Erhebungsdaten sind die Basis für ein seriöses Naturraummanagement.

Für die Heide waren kaum Daten zu den hier vorkommenden Tieren vorhanden. In den letzten Jahren haben wir daher im Rahmen geförderter Projekte einige sehr wichtige Tiergruppen von Expertinnen und Experten erheben lassen und wo notwendig, das Management angepasst. Da die Heide auch ein wichtiges Erholungsgebiet mit dementsprechend großem Besucherdruck ist, gab es auch in diesem Bereich Erhebungen, um gezielt Lenkungs- bzw. Verbesserungsmaßnahmen durchführen zu können.

©  Alexander Mrkvicka
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Erhebung der Käfer der Heide

Seit 2016 bis Ende Juli 2018 wurde von Käfer-Experten Rudolf Schuh die Käferfauna der Heide erhoben. Barberfallenfänge von 2010 wurden aufgearbeitet.

Es konnten 806 Käferarten auf der Perchtoldsdorfer Heide festgestellt werden. 43 Arten davon sind in der Roten Liste gefährdeter Tiere Österreichs verzeichnet. Ein hoher
Prozentsatz der nachgewiesenen Arten (37 Prozent) wird ökologisch als trockenheits- bzw. wärmeliebend eingestuft.

Einen wichtigen Lebensraum für viele Käferarten bieten auch die Saumgesellschaften der Heide, d.h. Waldränder, Baumgruppen und Gebüsche. Sie bieten Lebensraum für
holzbewohnende Käfer, von denen 87 Arten nachgewiesen werden konnten. Sieben davon sind Arten der Roten Liste. Zum Beispiel konnte der Bockkäfer Lioderina linearis, der in Österreich als verschollen gegolten hat, seit mehr als 100 Jahren erstmals wiedergefunden werden. Aus diesem Grund sollten darauf geachtet werden, dass alte Bäume und Totholz vor Ort erhalten bleiben.

Nutznießer der Beweidung durch die Krainer Steinschafe sind natürlich Kot-fressende (koprophage) Arten, z.B. folgende gemäß der Roten Liste als gefährdet eingestufte Arten: Sisyphus schaefferi (Matter Pillenwälzer), Geotrupes spiniger und Aphodius foetens. Insgesamt wurden 13 rein koprophage Arten festgestellt werden.

Käfer:
Kot-fressende Käfer:
Totholz-Käfer:
© Peter Buchner
© Peter Buchner
© Peter Buchner
© Peter Buchner
© Peter Buchner

Erhebung der Kleinschmetterlinge der Heide

Von 2016 bis Ende Juli 2018 wurden von den Schmetterlings-Experten Peter Buchner und Oliver Rist die Kleinschmetterlinge der Heide erhoben.

Im Rahmen der Erhebungen wurden 685 Kleinschmetterlings-Arten nachgewiesen. Rhyacionia hafneri wurde neu für Österreich nachgewiesen.

Mindestens 10 Arten sind streng an lokale Trockenrasen-Pflanzen gebundenen: 3 an der Goldschopf-Aster (Aster (Galatella) linosyris): Coleophora linosyris, C. pseudolinosyris und C. galatellae, 5 an Backenklee (Dorycnium sp.): Trifurcula josefklimeschi, Coleophora medelichensis, C. squamella, C. acrisella und C. bilineatella und 2 an Schmalblatt-Lein (Linum tenuifolium) bzw. Gelb-Lein (L. flavum): Glaucolepis bleonella, Coleophora striolatella).

Mehr als 10 Arten (Nemophora minimella, Coleophora obscenella, C. squamosella, Metzneria paucipunctella, M. neuropterella, M. aprilella, Apodia bifractella s.lat., Hysterophora maculosana, Cochylis pallidana, Eurhodope rosella) entwickeln sich in Samenköpfchen, v.a. von Skabiosen (Scabiosa sp.) und diversen Korbblütlern (Asteraceae). Für das Überleben dieser Arten ist von großer Bedeutung, dass 1) nicht die gesamte Fläche jedes Jahr beweidet wird und 2) keine Nachmahd (in der Landwirtschaft gerne als "Weidepflege" bezeichnet) der beweideten Flächen erfolgt (was generell für Trockenrasen abzulehnen ist). Das Vorkommen dieser Arten zeigt die erfolgreiche mosaikartige und gestaffelte Beweidung der Heide seit dem Jahr 2004.

Hoch war mit mindestens 9 die Zahl der Arten, die sich in verpilztem Totholz oder vergleichbaren Substraten entwickeln, darunter auch Nemapogon falstriella mit nur wenigen Fundpunkten in Europa. Dies unterstreicht die erfolgreiche Förderung von Totholz im Heide-Management seit dem Jahr 2004.

Neben den Kleinschmetterlingen konnten 65 Großschmetterlings-Arten festgestellt werden, die in den Erhebungen von Rudolf Eis (2010-2012) nicht erfasst wurden.

Gemeinsam mit den Erhebungen von Rudolf Eis konnten im Zeitraum 2010-2018 in Summe 1.186 Schmetterlingsarten auf der Perchtoldsdorfer Heide nachgewiesen werden.

Kleinschmetterlinge:
Großschmetterlinge:
Schmetterlinge ges.:
©  Alexander Mrkvicka
©  Irene Drozdowski

Erhebung der Spinnen auf der Heide

Im August 2013 wurden vom Spinnen-Experten Marjan Komnenov die Spinnen der Heide erhoben.

Ergänzend zur Erhebung der bodenlebenden Spinnen wurden im August 2013 die Spinnen in der Gräser- und Kräuterschicht und in den Gebüschen und Gehölzbereichen der Heide mittels Nachsuche, Barberfallen und Kescherfang untersucht. 65 Arten konnten nachgewiesen werden.

Spinnen:
© Gernot Kunz
© Alexander Mrkvicka
© Alexander Mrkvicka

Erhebung der Ameisen der Heide

Im Jahr 2012 wurden von der Ameisen-Expertin Melanie Tista die Ameisen der Heide erhoben.

Die Ameisenfauna der Heide ist sehr vielfältig. Gründe sind die Lage der Heide an der Thermenlinie, die Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume und Strukturen wie besonntes Totholz und Steinhaufen und die Verzahnung mit Gehölzen bzw. dem Wald. Ein Großteil der Arten ist wärmeliebend. 13 Arten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Wichtig für den Erhalt der Ameisen-Vielfalt sind vielfältige Kleinlebensräume (Mosaike) und Strukturen auf den Flächen wie Einzelbüsche, Totholzhaufen, größere Steine und offene Vegetationsflächen.

nachgewiesene Arten:
wärmeliebende Arten:
xerothermophile Arte:
sozialparasitisch:
Baumbewohner:
©  Alexander Mrkvicka
©  Alexander Mrkvicka
©  Alexander Mrkvicka
©  Alexander Mrkvicka

Erhebung der Hautflügler (Aculeata)

In den Jahren 2012 bis 2014 wurden vom Hautflügler-Experten Herbert Zettel die aculeaten Hautflügler (Stechimmen) (ohne Ameisen) der Heide erhoben. Aber auch aufgefundene Pflanzenwespen wurden bestimmt.

Die Erhebung der Hautflügler zeigt, dass die Praxis der mosaikartigen und wenig intensiven Beweidung durch Schafe die am besten geeignete Methode ist, die Perchtoldsdorfer Heide als artenreichen Lebensraum zu erhalten und den besonderen Hautflüglerarten die passende Lebensgrundlage zu bieten. Auch die wüchsigen Gräben mit großen Doldenblütler-Beständen haben großen Wert - vor allem für kurzrüsselige Hautflügler. Die schon bisher geübte Praxis, Totholz stehen zu lassen oder sonnenexponiert zu lagern, wird als besonders wertvoll herausgestrichen – die Perchtoldsdorfer Heide ist ein "Hotspot" der Diversität für Hautflügler, die im Totholz nisten. Die Imkerei im Gebiet wird wegen der Nahrungskonkurrenz als potentielle Gefahr für Wildbienenpopulationen angesehen.

nachgewiesene Arten:
Bienen-Arten:
Grabwespen-Arten:
Wegwespen-Arten:
Faltenwespen-Arten:
©  Irene Drozdowski
©  Alexander Mrkvicka
©  Alexander Mrkvicka

Erhebung der bodenlebenden Spinnen auf der Heide

Im Jahr 2010 wurden von den Experten Norbert Milasowszky und Martin Hepner die bodenlebenden Spinnen der Heide erhoben.

Auf 50 Untersuchungsflächen wurden mittels Barberfallen die Spinnenarten erhoben. Besonderheiten von Trockenrasen-Lebensräumen sind die Wärme und Trockenheit liebenden (xerothermophilen) Arten, die in Österreich sehr selten und gefährdet sind.

nachgewiesene Arten:
xerothermophile Arte:
Offenlandarten:
Saum- & Waldbewohner:
gefährdete Arten:
© Wolfgang Rabitsch
© Wolfgang Rabitsch
© Wolfgang Rabitsch
© Wolfgang Rabitsch
© Wolfgang Rabitsch
© Alexander Mrkvicka

Erhebung der Wanzen auf der Heide

Im Jahr 2010 wurde vom Wanzen-Experten Wolfgang Rabitsch die Wanzenfauna der Heide erhoben.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Heide für die Wanzenfauna Niederösterreichs von überregionaler Bedeutung ist und eine Reihe seltener und gefährdeter Arten beherbergt, die vor allem in den Trockenrasen leben. Die Säume und Gebüsche sind für die hohe Artenzahl verantwortlich. Sehr wichtig ist es, die zentralen Bereiche der Heide durch Beweidung offen zu halten, die Waldrandbereiche sollen ausgelichtet werden. Auf die Erhaltung der hohen Strukturvielfalt der Heide soll großer Wert gelegt werden.

nachgewiesene Arten:
Rote Liste Ö:
©  Gernot Kunz
©  Gernot Kunz
©  Alexander Mrkvicka

Erhebung der Zikaden der Heide

In den Jahren 2010 und 2011 wurden vom Zikaden-Experten Gernot Kunz die Zikaden der Heide erhoben.

Die Zikaden wurden mit Kescher, Lichtfang und Laubsauger erhoben. Aus Sicht der Zikaden ist die Heide in einem sehr guten naturschutzfachlichen Zustand und zählt zu den artenreichsten Schutzgebieten in Österreich. Die extrem hohe Dichte von Rote Liste-Arten spricht für die jahrzehntelange, extensive Bewirtschaftung. Aus der Sicht der Zikaden ist es wichtig, die Lebensraumvielfalt zu erhalten, besonders südexponierte Trockenrasen zu fördern  und mit Schwarzföhren bestockte Bereiche wo möglich wieder frei zu schneiden. Hohen Wert haben die im Gebiet an Waldrändern und im Wald vorkommenden Eichenarten, die erhalten bzw. gefördert werden sollen. Eichentotholz soll unbedingt erhalten werden.

nachgewiesene Arten:
Rote Liste Arten:
©  Peter Buchner
©  Peter Buchner
©  Alexander Mrkvicka
©  Alexander Mrkvicka
©  Peter Buchner

Erhebung der Großschmetterlinge auf der Heide

In den Jahren 2009, 2010 und 2011 wurden vom Schmetterlings-Experten Rudolf Eis die Großschmetterlinge der Heide erhoben.

Neben zahlreichen Arten der Trockenrasen wurden auf Grund der hohen Artenvielfalt der Gehölze auch zahlreiche Schmetterlinge gefunden, deren Raupen auf Gehölzen leben. Sehr positiv bewertet wurde die mosaikartige Beweidung und die dadurch geförderten überaus blütenreichen Trocken- und Halbtrockenrasen. Von großer Bedeutung ist die Abschirmung der Heide gegen Licht (z.B. Beleuchtungen der Anrainer) durch Gehölzstreifen, damit die zahlreichen nachtaktiven Arten nicht von der Heide weggelockt werden. Die Umstellung der Ortsbeleuchtung auf LED ist als sehr positiv zu werten.

erhobene Arten:
Schwarzfleckiger Grashüpfer ©  Alexander Panrok
Gottesanbeterin ©  Irene Drozdowski
Steppensattelschrecke ©  Alexander Mrkvicka
Gottesanbeterin ©  Alexander Mrkvicka

Erhebung der Heuschrecken und Fangschrecken auf der Heide

In den Jahren 2009 und 2010 wurden von den Experten Alexander Panrok und Thomas Zuna-Kratky die Heuschrecken und Fangschrecken der Heide erhoben.

Aus den 1970er Jahren gibt es eine Erhebung der Heuschrecken durch Prof. Karl Sänger, um die Beziehungen zwischen Vegetation, ihrer Struktur und den vorkommenden Heuschreckenarten zu untersuchen. Im Rahmen des vorliegenden Projektes wurden die Heuschreckenarten und Individuenzahlen nach vergleichbaren Methoden und auf denselben Probeflächen erhoben. Weiters wurden die Heidebereiche nach insgesamt vorhandenen Arten abgesucht.

Heuschreckenarten:
Fangschreckenarten:
Arten Rote Liste Ö: