Nachtleben in der Steppe - Naturexkursion auf der Perchtoldsdorfer Heide

26 naturinteressierte Besucher:innen erkundeten heute im Rahmen einer Nachtexkursion die Tiere der Nacht auf der Perchtoldsdorfer Heide. © FdPH/A. Mrkvicka
Anfangs wurde den Teilnehmer:innen der naturschutzfachliche Wert dieses besonderen Gebiets nähergebracht. © FdPH/R.V. Bichler
Die Heidevereins-Biolog:innen Irene und Alex erzählen Spannendes zur Geschichte der Heide. © FdPH/R.V. Bichler
Während der Exkursion konnten zahlreiche auf der Heide vorkommenden Tier- und Pflanzenarten entdeckt werden. Die Große Sägeschrecke (Saga pedo) ist eine Besonderheit! © FdPH/A. Mrkvicka
Gemeinsam mit den Biolog:innen des Heidevereins entdeckten die Naturinteressierten den Lebensraum Trockenrasen und seine Bewohner. © FdPH/R.V. Bichler
Die Große Sägeschrecke (Saga pedo) war ein Highlight der Nachtexkursion. © FdPH/A. Mrkvicka
Beim Leuchtturm von Insektenforscher Peter Buchner konnten unzählige Nachtfalter beobachtet werden. © FdPH/A. Mrkvicka
Pyramideneule (Amphipyra pyramidea). © FdPH/R.V. Bichler
Blick über die Perchtoldsdorfer Heide. © FdPH/R.V. Bichler

Heute trafen sich 26 naturinteressierte Besucher:innen zu einer spannenden Nachtexkursion auf der Perchtoldsdorfer Heide, um gemeinsam den Artenreichtum der wertvollen Trockenrasen bei Nacht zu erkunden. Betreut wurde die Exkursion von den Heidevereins-Biolog:innen Irene Drozdowski und Alexander Mrkvicka. Im Laufe des Abends konnten viele besondere Tiere und Pflanzen entdeckt werden.

Anfangs wurde den Teilnehmer:innen der naturschutzfachliche Wert dieses besonderen Gebiets nähergebracht. Hierfür wurde zum Einstieg ein kurzer geschichtlicher Rückblick gegeben: Offene Graslandschaften wie Steppen existierten bereits seit der Eiszeit. Damals wurden die Flächen von großen Weidetieren, die an das harsche damalige Klima angepasst waren, beweidet. Mammuts, Wollnashörner, Auerochsen und Wisente gehörten zu diesen robusten Tieren, die die Fläche durch ihre Anwesenheit offenhielten. Nachdem viele dieser Tierarten ausstarben oder vom Menschen verdrängt wurden, übernahmen Haustiere wie Rinder und Pferde ihre Rolle. Besonders zur Zeit der Monarchie beweideten große Herden diese offenen Gebiete und verhinderten so eine Verbuschung der Landschaft.

Durch die Beweidung entstand eine mosaikartige Struktur des Lebensraums, in der zahlreiche Pflanzen und Tiere ihre ökologische Nische fanden. Als sich die landwirtschaftliche Nutzung jedoch allmählich von der extensiven Beweidung zur intensiven Futtergewinnung verlagerte, etwa durch mehrfache Mahd im Jahr, gingen viele dieser Arten verloren. Gleichzeitig verlagerte sich die Viehwirtschaft zunehmend in bergige Regionen, und viele der früheren Aufgaben der Weidetiere wurden von Maschinen übernommen. In der Folge begann die einst über lange Zeit offen gehaltene Landschaft zu verbuschen und zu verwalden. Heute wird die Heide mit Schafen beweidet und bei Pflegeterminen mit Freiwilligen Büsche entfernt. Nur so kann dieser überaus wertvollen Lebensraum vor dem Zuwachsen bewahrt werden.

Während der Exkursion gab es auch die Möglichkeit, einige der auf der Heide vorkommenden Tier- und Pflanzenarten zu entdecken. Es wurden unter anderem eine Ameisenjungfer (Euroleon nostras), zwei besonders eindrucksvolle Große Sägeschrecken (Saga pedo), der Gelbe Lauch (Allium flavum), der Feldmannstreu (Eryngium campestre), die Steppen-Glockenblume (Campanula sibirica) sowie der Veränderliche Ölkäfer (Mylabris variabilis) gefunden. Gemeinsam wurden die verschiedenen Funde besprochen und begutachtet. Auch diverse Lang und Kurzfühlerschrecken wurden entdeckt.

Im Laufe des Abends lernten wir viel über im Flug jagende Räuber wie Eulen und Fledermäuse und wie sich letztere mithilfe der Echo-Ortung zurechtfinden. Mit einem Fledermausdetektor versuchten wir, die Ultraschalllaute vorbeifliegender Fledermäuse einzufangen. Die Gruppe, welche sich durch leichten Regen nicht abschrecken ließ, wanderte danach auf den höchsten Punkt der Kleinen Heide, wo Insektenforscher Peter Buchner bereits einen Leuchtturm aufgebaut hatte. Das bläuliche Licht zog in der Dunkelheit zahlreiche Nachtfalter an, die dort entdeckt und bestaunt werden konnten. Auch die ausgebrachten Rotweinköder lockten diverse Nachtfalterarten wie die Bunte Ligustereule (Polyphaenis sericata), die Pyramideneule (Amphipyra pyramidea) und die Schmuckeule (Lamprosticta culta) an, welche durch ihre einzigartige Optik bestachen.

Veranstalter war der Verein Freunde der Perchtoldsdorfer Heide. Wichtiger Kooperationspartner ist die Marktgemeinde Perchtoldsdorf.

Wer sich für die faszinierende Artenvielfalt in Perchtoldsdorf einsetzen möchte, ist herzlich eingeladen, bei der Heidepflegewoche (12. – 18.September) mitzuhelfen.

Der Bericht wurde unter Mitarbeit von Ricky Victor Bichler, Praktikant des Landschaftspflegevereins, erstellt.