Durch die großartige Unterstützung des Landschaftspflegevereins Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken im Rahmen eines Biodiversitätsfonds-Projektes und ergänzend finanziert über Spenden an den Heideverein gab es in den letzten Tagen auf der Heide einen besonderen Pflegeeinsatz.
Mittels Raupenfahrzeug mit angebauter Stockfräse, ferngesteuert von Mitarbeitern der Firma Kreitl, konnten bei heißem, trockenen Wetter insgesamt 972 hartnäckig immer wieder austreibende Wurzelstöcke von unerwünschten Laubgehölzen gezielt herausgefräst und somit nachhaltig entfernt werden. Zur besseren Sichtbarkeit der Stöcke wurden die Flächen vorher beweidet. Die Entfernung so vieler Stöcke ist eine große Erleichterung für die jährlich notwendigen Entbuschungsarbeiten auf der Heide. So werden Arbeits-Kapazitäten freigespielt. Wir können diese nun in Bereichen einsetzen, die wir bisher nicht mit der notwendigen Häufigkeit pflegen konnten, um z.B. Gebüsche wie Liguster und Blutroten Hartriegel nachhaltig auszuhacken.
Warum und wie Gehölze aus den (Halb)Trockenrasen entfernt werden (müssen) und unser fachliches Resümee zum Einsatz der Stockfräse:
Auf der Heide, am Hochberg und am Goldbiegel - allesamt als Trockenrasen Hotspots der biologischen Vielfalt in unserer Region mit zahlreichen seltenen und gefährdeten Arten - investieren wir seit mehr als 25 Jahren viel Fachwissen und Zeit in das schonend großteils händisch durchgeführte Entbuschen mit zahlreichen Freiwilligen und Schulen. Durch großflächiges Schneiden mit Maschinen wie Motorsense oder Häckslern würden hingegen viele Tiere, im Besonderen Insekten wie die seltene Sägeschrecke (Saga pedo), aber auch Reptilien wie die Schlingnatter (Coronella austriaca) getötet werden, weil sie nicht rasch genug oder gar nicht flüchten können. Bei händischer Arbeit überleben sie die Pflege. Gleichzeitig können die Gebüsche kleinflächig mosaikartig entfernt werden, was für viele Tierarten wichtig ist, denn viele Arten sind aus vielerlei Gründen wie Nahrungspflanzen, Windschutz, Unterschlupf u.a. auf die Verzahnung von Gebüschen mit Trockenrasen angewiesen.
Bei unseren Pflegeterminen werden alle Gehölze, bei denen dies möglich ist herausgehackt, um sie nachhaltig loszuwerden - wenn genügend Helfer:innen mitmachen. Dazu gehören Ausläufer treibende Arten wie Liguster und Blutroter Hartriegel, aber auch Berberitze, junge Eschen und einige mehr. Es gibt jedoch einige Gehölze, die gleich zu Beginn ihres Lebens tiefe Wurzeln treiben und auch mit großer Anstrengung nicht ausgehackt werden können. Dazu gehören Flaumeiche, Mehlbeere, Linden und Eschen, die zu einem gewissen Anteil durchaus als Gehölze auf den Flächen erwünscht sind, aber auch Nussbaum und Hasel. Diese müssen wir zurückschneiden, doch treiben sie gerade in Jahren wie heuer, in denen es regelmäßig regnet, stark nach und machen so jedes Jahr viel Arbeit bei der Pflege.
Im Rahmen des Biodiversitäts-Fonds-Projektes "Wiederherstellung, Erhaltung und Vernetzung von Trockenrasen an der Thermenlinie in NÖ" getragen vom Landschaftspflegeverein war es über die Fördergelder von Bund und EU nun erstmals möglich, ein ferngesteuertes Raupenfahrzeug mit Stockfräse (Green Climber) einzusetzen, um zahlreiche Laubgehölz-Stöcke sehr gezielt und bodenschonend herauszufräsen und somit nachhaltig zu entfernen. Durchgeführt wurden die Arbeiten von der Firma Kreitl, deren Mitarbeiter hervorragend auf unsere hohen Ansprüche an größtmögliche Bodenschonung und sehr gezielter Bearbeitung der Stöcke eingingen. Wir danken Julian Kreitl und seinem Team herzlich für die hervorragende Arbeit! Das anschließende Zurückrechen der ausgeworfenen Erde in die Fräselöcher wurde mit vollem Einsatz von Praktikant:innen des Landschaftspflegevereins unterstützt. So gingen die Arbeiten deutlich rascher voran und es konnten mehr Stöcke pro Tagwerk gefräst werden, als ursprünglich geplant. Weil die Arbeiten so hervorragend funktionierten, investierten wir als Heideverein ein weiteres Tagwerk aus Spenden, um weitere Stöcke zu fräsen. Insgesamt konnten so fast 1.000 Stöcke entfernt werden.
Als Zeitpunkt für das Fräsen haben wir bewusst die Sommerzeit gewählt, da sich im Winter unter Wurzelstöcken z.B. in ehemaligen Kleinsäugerbauten Reptilien wie die Smaragdeidechse (Lacerta viridis) zur Überwinterung zurückziehen, die dann mitgefräst würden. Auf der Perchtoldsdorfer Heide mit dem Zieselbestand (Spermophilus citellus) wurden die Arbeiten im Juli durchgeführt - die Ziesel-Jungen sind dann schon selbständig unterwegs und weniger sensibel und die Tiere sind noch nicht im Winterschlaf, der beim Ziesel oft schon im August angetreten wird. In der Nähe von Bauteneingängen wurde nicht gefräst.
Gemeinsam mit den Expert:innen des Landschaftspflegevereins konnten wir mit dem Stockfräsen-Einsatz viele wertvolle Erfahrungen sammeln, die wir hier gemeinsam als Resümee gerne an alle Interessierten weitergeben möchten:
- Das Raupen-Fahrzeug Greenclimber mit angebauter Stockfräse arbeitet (bei professioneller Bedienung wie durch die Mitarbeiter der Fa. Kreitl) bei trockenem Wetter sowohl auf ebenen als auch auf sehr steilen Flächen bei der Fortbewegung ohne wesentliche Bodenverwundung und ist somit hervorragend für den Einsatz auf sensiblen Trocken- und Halbtrockenrasenflächen geeignet. Durch die Einsätze auf den Flächen waren nur geringfügig Fahrspuren durch niedergedrückte Vegetation zu erkennen, nach einigen Tagen waren auch diese geringfügigen Spuren nicht mehr wesentlich erkennbar.
- Die Stockfräse arbeitet sehr gezielt mit einem sehr kleinen Fräsradius, wodurch auch kleine Stöcke gut ausgefräst werden können, ohne die Vegetation rundherum zu zerstören. Die Frästiefe beträgt ca. 20cm.
- Wenn möglich, empfiehlt es sich, die Flächen vor dem Fräsen zu beweiden. Die Stöcke sind dann für den gezielten Einsatz noch besser erkennbar.
- Dünne Stockausschläge können problemlos am Stock belassen werden und müssen nicht im Vorfeld entfernt werden. Das Holz des Stocks wird sehr gut zerkleinert, lediglich längere Stockausschläge müssen zusammengesammelt und von der Fläche entfernt werden.
- Werden Erde und Holzspäne gleich nach dem Fräsen mit einem Rechen in das entstandene Loch gerecht, sind nur mehr die offenen ebenen Erdflächen an den Positionen der gefrästen Stöcke sichtbar. Wir empfehlen, hierfür zwei bis drei Personen einzurechnen, sodass die Erde möglichst vollständig zurückgerecht und die Löcher entsprechend sorgfältig geschlossen werden können.
- Die Erdflecken können entweder mit regionalem Trockenrasen-Saatgut (optimal von der Fläche selbst) besät werden oder – wie in unserem Projekt – die Keimung von Samen aus der Samenbank im Boden abgewartet werden. Hinweis: In Gebieten mit höherem Wildschwein-Bestand wühlen die Wildschweine z.T. über den folgenden Winter in den Fräsebereichen nach Larven von Rosenkäfern, die den Holzanteil im Boden abbauen und öffnen Löcher wieder. Die Wiederbegrünung dauert dann entsprechend etwas länger.
- Ein praktischer Vergleich mit anderen Fräsegeräten parallel zum Projekt (schwerere Fräse mit größerem Fräserad) bzw. mit einer manuell geschobenen Handfräse (entlang einer Straße) zeigte die erheblichen oben angeführten Vorteile des Greenclimbers.
- Unser Fazit: Das Raupengerät Greenclimber mit Stockfräse ist bei professioneller Bedienung hervorragend geeignet, unerwünschte, jährlich stark nachtreibende bzw. tief wurzelnde Gehölze (z.B. Hasel, Flaumeiche, Pappel, Nuss, Esche) in Trocken- und Halbtrockenrasen sehr gezielt und ohne Schäden an der umgebenden Trockenrasen-Vegetation zu entfernen und ist – so verfügbar – auf Grund des geringeren Gewichtes und der guten Gewichtsverteilung durch die Raupen jedenfalls einem Traktor mit Stockfräse oder schwereren Raupengeräten vorzuziehen.
Der Stockfräsen-Einsatz wurde im Projekt des Landschaftspflegevereins "Wiederherstellung, Erhaltung und Vernetzung von Trockenrasen an der Thermenlinie in NÖ" durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft und die EU Next Generation gefördert. Ein weiteres Tagwerk wurde über Spenden durch den Heideverein finanziert.







