Beweidung

Warum Beweidung und nicht Mahd?
Schafe ©  Irene Drozdowski

Noch nach der letzten Eiszeit vor rund 11.500 Jahren gab es Herden großer Pflanzenfresser wie Auerochse und Wisent, die eine vollkommene Verwaldung der Landschaft in Mitteleuropa verhinderten. Später übernahmen die sesshaft gewordenen Menschen mit Viehzucht und Ackerbau diese Funktion. An der Thermenlinie geschah das vor rund 7.600 Jahren. Karge Flächen – wie die Landschaft der Heide – wurden von jeher als Weiden genutzt, weil sie weder für die Heuproduktion noch für den Ackerbau geeignet sind. Über Jahrtausende haben sich die Pflanzen und Tiere an die Weide-Nutzung angepasst.

Zahlreiche Arten können nur bei viel Licht und auf offenen Bodenstellen, die durch Beweidung immer wieder neu entstehen, keimen. Für viele wärme- und trockenheitsliebende Tierarten sind diese offenen Bodenstellen überlebenswichtig. Sie nehmen dort Sonnenbäder, ihre Eier und Larven benötigen die Wärme für ihre Entwicklung. Viele Tiere sind auf ganz bestimmte Trockenrasenpflanzen als Nahrung spezialisiert. Daneben gibt es z.B. Käferarten, die speziell von Pflanzenfresser-Dung abhängig sind.

Feld-Mannstreu ©  Irene Drozdowski

Viele Pflanzenarten wie Feld-Mannstreu, Silberdistel, Dorn-Hauhechel, Stacheligste Rose, Österreich-Kranzenzian oder Frühlings-Adonis entwickelten Verteidigungsmechanismen wie Stacheln, Dornen, Bitterstoffe und Giftstoffe. Andere weichen mit tief liegenden Rosetten oder unterirdischen Stämmchen wie Thymian und Herzblatt-Kugelblume dem Abgefressenwerden aus oder nutzen mit stacheligen oder klettenden Früchten die Weidetiere sogar zur Verbreitung ihrer Samen.

Mahd anstatt Beweidung von Trockenrasenflächen würde viele seltene, an Beweidung angepasste Arten zurückdrängen oder sogar für immer zum Verschwinden bringen. Außerdem nimmt durch Mahd die Zahl der so wichtigen offenen Bodenstellen ab. Abgesehen davon, dass die Heide oder der Hochberg nur mit großem Aufwand gemäht werden könnten, kommen bei der Mahd auch viele Tiere ums Leben.

Trockenrasen im Frühjahr ©  Alexander Mrkvicka

Auf den offenen Bodenstellen blühen im Frühjahr zahlreiche winzige, einjährige Pflanzen, die den Sommer als Samen überdauern.

Offene Bodenstellen im Trockenrasen ©  Alexander Mrkvicka

Nur auf den felsigen Hügelkuppen halten sich offene Bodenstellen auch einige Jahre ohne Beweidung.

Federgras ©  Alexander Mrkvicka

Federgras, eine typische Steppenpflanze, profitiert von Beweidung, denn die harten Blätter werden nicht gerne gefressen. Daher entsteht zwischen den Grashorsten viel offener Boden für wärmeliebende Arten.

Steinschafe © Irene Drozdowski
Krainer Steinschafe sind eine robuste, seltene und gefährdete Haustierrasse. Sie sind die idealen Trockenrasen-Pfleger.

Wie?

Über Jahrhunderte wurde die Heide mit Rindern und Pferden beweidet, die täglich von einem Hüter aufgetrieben wurden. Heute ist dies in einem intensiv genutzten Erholungsgebiet und mit der vergleichsweise geringen Fläche nicht mehr möglich. Bei der naturschutzfachlichen Beweidung von Trockenrasen kommen daher oft Schafe zum Einsatz, wobei unterschiedliche Schafrassen sehr unterschiedlich fressen. Manche Rassen sind daher besser geeignet als andere.

Auf Trockenrasen werden eher kleine, robuste, hitzetolerante und genügsame Schafe eingesetzt, die wenig wählerisch beim Fressen sind und daher vor allem auch Gräser wie die Fieder-Zwenke und abgestorbene Pflanzenteile fressen. So wird der Kräuterreichtum gefördert und die Entstehung einer verfilzten Pflanzenschicht am Boden verhindert, sodass Sonne und Wärme bis zum Boden dringen können. Seit dem Jahr 2009 weiden auf der Heide die Krainer Steinschafe von Familie Frank/Bioschafhof Sonnleitner, eine seltene, gefährdete Haustierrasse, die genau diese Anforderungen erfüllt.

Verfilzter Halbtrockenrasen (unbeweidete Fläche am Hochberg, April 2014) ©  Alexander Mrkvicka
Luckiger Halbtrockenrasen (beweidete Fläche am Hochberg, April 2014) ©  Alexander Mrkvicka

In einem verfilzten Trockenrasen dringen die seltenen, zum Teil winzigen Trockenrasen-Pflanzen kaum mehr durch die Streuschicht. Gleichzeitig wird der Boden durch die Streuschicht kühl und feucht gehalten.
Nach einigen Jahren Beweidung ist der Trockenrasen wieder lückig und viel artenreicher. Die Wärme dringt bis zum Boden.

Koppel mit Steinschafen © Irene Drozdowski

Beweidet wird mittels eher kleiner Elektrozaun-Koppeln, die nach einigen Tagen weitergestellt werden, wenn die Pflanzen kurz gefressen sind. Das ist einerseits für ein optimales Fraßbild wichtig (die Schafe fressen dann auch weniger schmackhafte oder trockene Pflanzen gut ab) andererseits kann so der Parasitenbefall bei den Weidetieren verhindert bzw. minimiert werden. So wandern die ein bis drei Herden schrittweise über die Heide.

Wo und wann beweidet wird, erfolgt aber nicht zufällig und nach Lust und Laune. Die Beweidung folgt einem Managementplan, dessen erste Fassung von der Universität für Bodenkultur ausgearbeitet wurde. Über die Jahre wurde dieser Managementplan nach Beweidungserfahrungen und Ergebnissen von Forschungsprojekten laufend durch die Biologen des Heidevereins angepasst. Wichtig ist einerseits eine Beweidungstradition (das heißt, die gleichen Flächen jedes Jahr in etwa um die selbe Zeit zu beweiden), damit sich Tiere und Pflanzen an die Nutzung anpassen können. Gleichzeitig ist das Management aber ein adaptives, das heißt es folgt nicht einem strengen Zeitplan, sondern das Wetter des Beweidungsjahres, die aktuelle Witterung oder besondere Beobachtungen bzw. neue Anforderungen durch Forschungsprojekte werden mit berücksichtigt. Circa alle drei Wochen besichtigen die Biologen des Heidevereins gemeinsam mit dem Schäfer die nächsten Weideflächen.

Auf Luftbildern (Perchtoldsdorfer Heide 2009) erkennt man die mosaikartige Beweidung der Heide. © Luftbild: MA41

In artenreichen Gebieten wie Trockenrasen ist eine mosaikartige, zeitlich gestaffelte und gezielte Beweidung der Teilflächen äußerst wichtig, damit unterschiedlichste Blütenpflanzen blühen und aussamen können, als Nahrung für Insekten zur Verfügung stehen und Tiere als Eier, Larven oder Puppen überleben und mobile Tiere in unbeweidete Bereiche ausweichen können. Auch wüchsigere Bereiche haben in so einem Mosaik einen hohen Wert.

Jedes Jahr gibt es auch mosaikartig über die Heide verteilte Bereiche, die unbeweidet bleiben. Hier können Tiere, die spät schlüpfen fressen oder in den unterschiedlichen Entwicklungsstadien in der Bodenstreu, in und an Pflanzenstängeln oder in Blütenköpfchen und Samen überwintern.

„Weidepflege“ in Form der leider in der intensiven Landwirtschaft und für Kulturweiden häufig verlangten „Nachmahd“ nach der Beweidung soll auf beweideten Trocken- und Halbtrockenrasen unbedingt unterbleiben, da sonst seltene weideangepasste Pflanzen zurückgedrängt und wichtige Überwinterungsplätze wie harte Pflanzenstängel zerstört werden.

Keinesfalls dürfen die Schafe auf der Weide zugefüttert werden, denn ihre Aufgabe ist es, den Flächen Nährstoffe zu entziehen. Das Füttern der Schafe auf der Heide ist daher – auch aus Schaf-gesundheitlichen Gründen – streng verboten!

Auf den ersten Blick sieht die abgefressene Flächen nicht sehr schön aus. Doch schon nach wenigen Tagen sprießt schon wieder frisches Grün. ©  Alexander Mrkvicka

Wann?

Die Beweidung der Heide erfolgt – je nach Frühlingsbeginn, Wintereinbruch, Witterung und Vegetationsentwicklung – etwa von April bis Oktober, manchmal auch bis in den November hinein. Zuerst werden wüchsige Flächen beweidet, deren Vegetation schon im Frühling relativ hoch steht und ausreichend Futter bietet. Ziel ist es, diese Flächen immer weiter auszuhagern, also Nährstoffe zu entziehen. So wird die Vegetation über die Jahre lockerer und kürzer, Gräser werden zurückgedrängt und auch lichtbedürftigere Arten haben eine Chance zu wachsen. In den nährstoffreichen Gräben, in denen der Wiesen-Kerbel sehr reichlich wächst, bleiben aber Teilflächen bis in den Sommer unbeweidet, denn für viele seltene Hautflügler, die nur einen kurzen Rüssel haben, sind die kleinen, flachen Blüten eine wichtige Nahrungsquelle. Ab Mitte/Ende Juni folgen mosaikartig die ersten Halbtrockenrasen. Mit Spätsommer beginnt die Beweidung der Südhänge und besonders kargen Flächen.

Bioschafhof Sonnleitner — Schäfer aus Leidenschaft

© BPWW/B.Wolff

Mit den Herausforderungen in der heutigen Landwirtschaft ist es schwierig, einen verlässlichen, kooperativen und gut organisierten Schäfer zu finden, dessen Betrieb nach Möglichkeit auch viele Jahre Bestand hat. Die Wien-Nähe mit vielen Erholungssuchenden und – trotz Leinenpflicht – freilaufenden Hunden machen die Sache nicht einfacher. Auch Sabotageakte kommen leider vor. Viele Schäfer wollen sich das nicht antun.

Gemeinsam mit der Marktgemeinde Perchtoldsdorf schätzen wir uns daher sehr glücklich, mit Renate und Erich Frank vom Bioschafhof Sonnleitner hervorragende Kooperationspartner für die Beweidung von Heide und Hochberg zu haben!

Höchstes persönliches Engagement, perfekte Kooperation von Landwirtschaft und Naturschutz, Beweidung von Flächen, die ökologisch zu den wertvollsten in Österreich gehören, großes Interesse für Tiere und Pflanzen, biologische Landwirtschaft, sorgsamer und liebevoller Umgang mit ihren Tieren, köstliche Produkte in regionaler Vermarktung, nachhaltige Fleischproduktion: Erich und Renate Frank, Bioschafhof Sonnleitner – unsere Heideschäfer – üben ihren Beruf nicht nur aus, sie leben ihn!

Schafwanderung © Familie Frank

Von April bis November, während die Schafe auf der Weide sind, sind Erich und Renate Frank täglich von früh bis spät unterwegs – jeder extra versteht sich, denn Schafherden stehen auch in anderen wertvollen Trockenrasen-Gebieten wie im Naturschutzgebiet Heferlberg-Glaslauterriegel-Fluxberg in Pfaffstätten, in Bad Vöslau, in Mödling am Eichkogel und im Steinfeld. Die Schäfer kontrollieren, ob auf den Weiden alles in Ordnung ist und versorgen ihre Tiere täglich mit frischem Wasser. Alle paar Tage wird eine neue Koppel gezäunt und mit Unterstützung durch ihre Bordercollies mit der Schafherde zur neuen Weide gewandert.

Im Winter haben die Schafe einen großen Laufstall. Auf Silage und Kraftfutter wie Getreide, Soja oder Mais verzichten die Franks vollkommen. Das unterscheidet den Betrieb von vielen anderen, denn Kraftfutter zu füttern, ist in der Tierzucht gang und gäbe. Die Schafe bekommen als Futter ausschließlich bestes Bio-Heu, das allerdings teuer zugekauft werden muss. Der große Vorteil: Diese Art der Fleischproduktion ist keine Konkurrenz zur menschlichen Nahrung, denn die Tiere fressen in ihrem ganzen Leben nur, was der Mensch selbst nicht essen kann!

Auch der Transportweg zur Schlachtung bei einem nahegelegenen Betrieb ist mit 10km sehr kurz. Außerdem sind die Tiere den Transport durch die Reise zu und von den Weideflächen im Anhänger gewohnt, der Transport, das Ein- und Ausladen bedeuten daher keinen Stress für sie.

Sägeschrecke © Familie Frank

Das Interesse von Erich und Renate endet nicht bei ihren Schafen und dem Futterwert der Weiden. Sie sind sehr neugierig, was auf den Weiden sprießt, kreucht und fleucht und nehmen neu Entdecktes und Erfahrenes in ihre tägliche Arbeit auf. Entdecken sie blühende Orchideen werden diese ausgezäunt, seltene Arten wie die Sägeschrecke fotografisch dokumentiert und mit GPS-Koordinaten an den Heideverein geschickt. Ist beim Zauneinrollen unabsichtlich eine darauf sitzende Sägeschrecke mit eingerollt worden, so nehmen sie sich die Zeit, rollen den Zaun wieder aus und entlassen sie in die Freiheit! Nicht selten finden wir E-Mails mit Fotos von Tieren oder Pflanzen mit der Frage nach dem Namen und deren Bedürfnissen in unserer Mailbox. Das alles ist nicht selbstverständlich, sondern etwas ganz Besonderes!

Naturschutz-Schäfer sein – kein leichter Job!

Finanziell gibt es zwei wesentliche Voraussetzungen für eine gute, extensive Beweidung von Naturschutzflächen, die nur in Kombination funktionieren:
Einerseits gibt es aus dem landwirtschaftlichen Fördertopf der EU eine teilweise Leistungsabgeltung des erheblichen Mehraufwandes für die ökologische Bewirtschaftung von Flächen. In Österreich heißt sie “Österreichisches Programm für Umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) - Maßnahme “Wertvolle Fläche“ bzw. „Naturschutzplan”. Ohne diese Gelder der EU gäbe es heute viele, viele wertvolle Naturflächen und viele kleine, nachhaltig wirtschaftende Betriebe nicht mehr! Dieses Geld deckt aber nicht einmal die Heukosten für die Schafe.

© BPWW/Norbert Novak

Köstliche BIO-Lammprodukte

Das zweite wichtige Standbein ist der erfolgreiche Verkauf der hochwertigen Produkte in Direktvermarktung durch Renate und Erich Frank:

  • Ob luftgetrockneter Schinken, geschmorte Keule, Wangerl oder Rückenkoteletts — die BIO-Heide-Lammprodukte der Krainer Steinschafe bereichern Grillabend, Festmahl und Jause!
  • Für Zwischendurch gibt`s Extrawurst, Knacker, scharfe Teufelchen, Toastschinken, Leberkäs, Leberknödel und vieles mehr. Alle Produkte sind ausschließlich von eigenen BIO-Lämmern und ohne Zugabe von anderem Fleisch - versteht sich!
  • Neben den Fleischprodukten gibt es vom Bioschafhof Sonnleitner auch Wolle, Wollvliese, Felle, Seifen, Sirupe, Honig, Fruchtaufstriche u.v.m.

Kostenlose Lieferung in Perchtoldsdorf und Umgebung sowie an der gesamten Thermenlinie!
Preisliste und Bestellung unter Enable JavaScript to view protected content. oder Tel. +43 2633 48679. Wer seine E-Mail Adresse übermittelt, wird auf Wunsch aktuell zu den Schlachtterminen informiert, kann dann bestellen, muss aber natürlich nicht!

Massenblüte von Lauch-Arten © Irene Drozdowski

Geschenke für die Heide – Heubinkerl.
Helfen Sie mit, die Beweidung zu sichern!

Rosilda ist 3 Jahre alt und verbringt Frühling bis Herbst in Perchtoldsdorf. Sie mag die vielfältigen Kräuter, die hier wachsen und besonders gerne knabbert sie an Büschen. Rosilda ist ein Krainer Steinschaf. Damit ist sie etwas ganz Besonderes, nämlich eines der letzten ihrer Art.

Wenn sie auf der Heide Gräser und Kräuter zupft, leistet sie mit ihrer Herde und ihren Schäfern Erich und Renate Frank wichtige Arbeit zur Erhaltung der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt auf der Perchtoldsdorfer Heide.

Doch auch im Winter muss Rosilda fressen. Da versorgen ihre Schäfer Renate und Erich Frank vom Bioschafhof Sonnleitner sie mit gutem BIO-Heu. Die kalte Jahreszeit verbringt die Herde im Laufstall.

Krainer Steinschaf © Irene Drozdowski

Um die Konkurrenz zur menschlichen Nahrungsmittelproduktion zu vermeiden, bekommt sie kein Getreide oder Soja, sondern ausschließlich BIO-Wiesenheu. Dieses muss von bester Qualität sein. Die letzten sehr trockenen bzw. sehr feuchten Jahre haben den BIO-Heupreis massiv ansteigen lassen. Die Versorgung der vielen Schafe, die die Heide und andere wertvolle Trockenrasen an der Thermenlinie pflegen, ist dementsprechend sehr, sehr teuer. Doch ohne Winterfutter gibt es keine Schafe! Und ohne Schafe keine bunte Trockenrasen-Vielfalt!

Unterstützen Sie die Beweidung der Heide und verschenken Sie Heubinkerl für die Winterfütterung der Schafe! Zur Überreichung an den Beschenkten/die Beschenkte erhalten Sie eine wunderschöne Urkunde.

Preisstaffelung: Heu für ein Schaf für 2 Monate € 30,-, für den halben Winter € 45,- und für den ganzen Winter € 90,-.

Bestellung unter Enable JavaScript to view protected content. oder Tel. +43 2633 48679 (Untertags bitte auf den Anrufbeantworter sprechen und Namen und Telefonnummer hinterlassen, denn zu dieser Zeit kümmern sich die Schäfer um ihre Schafe.)